Archiv für den Monat: November 2008

Weihnachtsterror am Neuen Markt

Stille Nacht, Heilige Nacht…

Und ohne Stille nicht besonders heilig – und Stille ist, was am Neuen Markt wieder fehlen wird. Fragt man dort anwohnende Kinder, was in 5 Wochen ist, bekommen sie helle Augen und sagen: „Da ist der Weihnachtsmarkt zuende!“, was bedeutet, daß sie sich in ihren Kinderzimmern wieder in normaler Lautstärke unterhalten können.

Nichts übrigens gegen die Tradition; ich bin an den Neuen Markt gezogen, obwohl ich den Weihnachtsrummel noch aus Kindertagen kenne. Aber da war diese Tradition noch stiller – nix mit Musikanlagen jenseits der gefühlten 10000 Watt mit extra fetten Bassboostern, was dann glatt durch die Häuser geht, so daß jeder Raum einer Wohnung betroffen ist.

Das ist kein Weihnachtsmarkt mehr, sondern eine Art Lifekonzert, und dies hat am Neuen Markt zur Weihnachtszeit und vier Wochen lang keine Tradition.

Und was wird überhaupt gespielt: Heino-Weihnachtsschnulzen, unterlegt mit Techno-Beat. Dann und wann noch eine Sirene dazu, damit sich der Adrenalinspiegel nach der Shopping Tour nicht so schnell wieder senkt.

Wer findet das eigentlich gut? Es mag ja Leute geben, die das nicht so stört, aber wer will denn diesen Musikbrei wirklich hören?!

Kann man Leuten mit einer Resthirnzelle (Betreiber ausgenommen, die machen das freiwillig) so etwas einen Monat von morgens bis abends zumuten? Ich meine nicht die Schallgrenzwerte. Sondern die Grenzwerte des Anstands, der auf Betreiberseite nun schon seit Jahren in eher minimalen Dosen anzutreffen ist.

Gibt es denn keine anderen Freiflächen in dieser Stadt?

Besinnlichkeit? Gleich neben einer der großen Kirchen? Fehlanzeige. Weihnachtsmarkt? Was ist daran weihnachtlich? Daß ein Fahrgseschäft, das im Sommer „American Dancer“ heißt, sich nun „Christmas Dancer“ nennt?

Weihnachtsmarkt und Tradition sind gut und schön. Zur Tradition gehört die Stille, sogar die innere Einkehr. Das ist angesichts des modernen Weihnachtsgeschäfts schon fast eine naive Ansicht. Wenn Stille nicht mehr zur Tradition gehört – sondern eher eine Lautstärke, die (bei Dauereinwirkung) eine einzige Quälerei darstellt,  wird es Zeit, der pervertierten Tradition auch einen weniger traditionellen Ort zu suchen.